Denn sie wissen nicht, was sie tun...

Gestern hat sich das EU-Parlament mit klarer Mehrheit für eine Neuzulassung des Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat des Herstellers Monsanto ausgesprochen. Auch Deutschland hat zugestimmt.

Die Verschleierungstaktiken in Bezug auf die "vermutlich krebserregende Wirkung",  die fehlenden Nachweise über die propagierte Harmlosigkeit und eine menschenverachtende Ignoranz dem Leben gegenüber, können einem nur die Haare zu Berge stehen lassen. 

 

 

Der weltweite Verbrauch von Glyphosat ist in den vergangenen Jahrzehnten von 3200 Tonnen im Jahre 1974 auf 825.000 Tonnen  im Jahre 2014 gestiegen. Ca. 40 Prozent der deutschen Ackerflächen werden mit Glyphosat behandelt.

 

Soviel Todessehnsucht muss man erstmal verkraften. Was das zarte, unerwünschte Krautpflänzchen vernichtet, soll der Mensch schadlos überstehen? Was für ein Irrsinn.

Auch wenn der Mensch nicht sofort tot umfällt, so ist doch irgendwann die Deadline überschritten.

Die weltweite massive Zunahme an Krebserkrankungen spricht eine eindeutige Sprache.

 

Eine deutliche Mehrheit der EU-Bürger hat sich in Umfragen gegen eine Neuzulassung von Glyphosat ausgesprochen. Warum wird das einfach ignoriert?

Haben die Politiker im EU-Parlament vergessen, wen sie vertreten sollen? Aber vielleicht ist eine solche Umnachtung auch bereits eine Nebenwirkung von Glyphosat. Und Monsanto wird sich diese Entscheidung auch etwas kosten haben lassen, denn die zukünftigen Erträge werden weiter steigen. Das kapitalistische Finanzsystem hat alles fest im Griff. Doch um mit den Worten von Jesus zu sprechen: "Eher wird ein Kamel durch ein Nadelöhr gehen, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt."

 

Es ist auch kein Teilerfolg, wenn die Neuzulassung auf zunächst 7 Jahre, anstatt wie geplant auf 15 Jahre genehmigt wird. Spielt das Leben, das in sieben Jahren vernichtet werden kann,  keine Rolle?

Und wenn dann noch damit argumentiert wird, dass wir erst mehr Forschungsergebnisse brauchen, bevor wir es ganz verbieten, dann ist dieser Wahnsinn kaum noch zu übertreffen. Es gibt genügend Hinweise auf die krebserregende Wirkung, das ist gar nicht das Problem. Zumal es eigentlich, wenn man es mit einigermaßen gesunden Menschenverstand anschaute, es erst eine Zulassung geben sollte, wenn die Unbedenklichkeit eindeutig nachgewiesen wäre. Das würde allerdings nie der Fall sein. Denn wenn etwas Leben zerstört, macht es keine Unterschiede. Pflanze, Tier oder Mensch sind gleichermaßen betroffen, wenn auch mit verzögerter Wirkung.

 

Ein weiterer, eklatant wichtiger Punkt, der weitestgehend ignoriert wird,  ist das Bienensterben. Immer mehr Bienenvölker sterben. Die weltweite Bienenpopulation hat sich dramatisch reduziert.

Die noch lebenden Bienen sind zum Teil so geschwächt, dass sie an Milben zugrundegehen und orientierungslos in der Welt umherschwirren.

Nachweislich eine Folge der exzessiven Agrarindustrie mit ihren Monokulturen und dem massiven Einsatz von Giften. In China gibt es bereits Gebiete, wo es keine Bienen mehr gibt. Die Menschen bestäuben dort in mühseliger Arbeit selbst die Blüten. Das ist allerdings auch kein Überlebensmodell.  Verschwinden die Bienen, dauert es vielleicht noch ein paar Jahre, aber dann ist der Mensch auch verschwunden.

 

 

Es gibt dazu einen sehr interessanten Dokumentarfilm von dem Schweizer Regisseur Markus Imhoof:  "More than honey"

 

Den Trailer dazu könnt ihr euch bei You Tube anschauen:

 

 

 

 

 

 

Hier noch einen Nachtrag (veröffentlicht auf den NachDenkSeiten):

 

  1. Umweltschützer kämpfen mit Strafanzeigen gegen Glyphosat
    Die Umweltschutzorganisation Global 2000 und das Münchner Umweltinstitut, ein Verein, der sich die Umwelt einsetzt, werfen Monsanto schweren Betrug vor. Um seine Zulassung für das umstrittene Pestizid Glyphosat zu verlängern, musste Monsanto beim deutschen Bundesinstitut für Risikobewertung Studien einreichen. Um eine Chance auf Zulassung zu haben, mussten diese Studien nachweisen, dass Glyphosat beim Menschen keinen Krebs verursachen kann. Ein Großteil dieser Studien wurde von Monsanto erstellt und ist geheim. Aber seit einigen Jahren müssen Hersteller bei solchen Zulassungsverfahren auch unabhängige, veröffentlichte Studien einbeziehen. Das hat Monsanto formell auch getan, sie dann aber als unwissenschaftlich verworfen. Eberhard Greiser, emeritierter Professor für Epidemiologie der Universität Bremen, sagt, er habe diese angeblich unwissenschaftlichen Studien gelesen. Wenn die deutsche Zulassungsbehörde und die zuständige Behörde der EU diese Studien berücksichtigen würden bei der Zulassung von Glyphosat, wäre das Ergebnis eindeutig:
    „Dann wäre das Gleiche rausgekommen, wie das, was das Krebsforschungszentrum der Weltgesundheitsorganisation festgestellt hat, nämlich, dass diese Studien belegen, dass Glyphosat wahrscheinlich krebserzeugend beim Menschen ist. Und das ist die zweithöchste Stufe überhaupt. Für die Zulassung würde das bedeuten, das Zeug ist vom Markt. Definitiv.“
    Quelle: Deutschlandfunk